Familienunternehmen Laroy Group

Respekt vor Haustieren

Wir lieben sie sehr: unsere Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen und alle anderen Vier- oder Zweibeiner, die die Bezeichnung „tierische Freunde“ verdienen. Diese Liebe findet auch im Portemonnaie ihren Niederschlag, vor allem bei den Ausgaben für Futter und Accessoires. Derartige Produkte kommen sehr oft von der Laroy Group. Das Familienunternehmen bezeichnet sich gern als „Haus voller Marken“, in dem auch immer mehr ausländische Kunden ihr gewünschtes Produkt finden. Die Expansionspolitik von Els Laroy und Peter Moyaert trägt Früchte.
 
Tiere und die Familie Laroy: Sie waren schon immer eng miteinander verbunden. Großvater André war Viehfutterhersteller, Vater Carlos begann 1962 einen Getreide- und Samenhandel. Diese Artikel gehören heute immer noch zum Sortiment, aber es gibt noch viel mehr: Basis- und Luxusprodukte für Tierfutter und -accessoires. Els Laroy wuchs in dieser Umgebung auf und war bereits als Kind mehr oder weniger davon überzeugt, dass sie in die Fußstapfen ihres Vaters treten wollte.
 
Els Laroy: “Meine Eltern fanden mich oft nicht, weil ich in irgendeiner Ecke der Fabrik steckte. Vielleicht haben sie mich deshalb aufs Internat geschickt (lacht). Aber im Ernst: Mir war immer klar, dass das Familienunternehmen meine Zukunft werden sollte. Auch meinem Bruder Guy erging es so. Er strebte aber nie eine Position als Manager an. Er ist der Motor unseres „Krisenzentrums“, die treibende Kraft im operativen Transportbereich." 
 
"Peter Moyaert ist unser CFO und gemeinsam mit unserem COO bilden wir ein Dreigespann, das bei der Durchführung unseres strategischen Aktionsplans von verschiedenen „Teamleadern“ gut unterstützt wird. Wir ergänzen uns perfekt: Jeder hat seinen eigenen Arbeitsbereich – ich selbst konzentriere mich auf die kommerziellen Aspekte – aber alle strategischen Entscheidungen treffen wir gemeinsam. Das war für mich übrigens eine Bedingung, um CEO zu werden: Ich hätte es nie gemacht, wenn ich mich nicht an zuverlässige Menschen hätte wenden können, die wissen, wie der Hase läuft, keine Hintergedanken haben und zum Firmenfortschritt beitragen wollen.”
 

Dreiergespann

 

STERCK: Wie herausfordernd war der Schritt, CEO zu werden

Laroy: “Papa war in dieser Hinsicht – zu Recht – immer sehr vorsichtig. Ich bekam die Gelegenheit, in allen Firmenabteilungen einige Jahre Erfahrungen zu sammeln, auch in der Buchhaltung. So bin ich in diese Funktion hineingewachsen, wobei ich aber Unterstützung von den richtigen Menschen erhielt. Während meiner Ausbildung habe ich nie einen speziellen Managementkurs besucht, aber wenn man sich den ganzen Tag im Betrieb eines schnell wachsenden Unternehmens befindet, lernt man automatisch ständig hinzu. Durch unsere starke Expansionspolitik kam noch eine zusätzliche Dimension hinzu."
 

STERCK. Diese Expansion wurde vor allem durch Akquisitionen ermöglicht. Warum diese Entscheidung?

Peter Moyaert: “Wenn man in diesem Markt vorankommen will, geht es kaum anders. Organisches Wachstum ist möglich, aber nur in beschränktem Maße. In unserem Land ist der Markt fast komplett gesättigt, deshalb schauen wir seit einigen Jahren nachdrücklicher über die Grenzen. Wir konzentrieren uns vor allem auf die Niederlande, Frankreich und Deutschland, wo wir mit unseren Verkaufsteams stark präsent sind. Inzwischen sind wir in 70 Ländern aktiv. Der Exportbereich repräsentiert gegenwärtig ca. 40 % unseres Umsatzes (100 Millionen Euro).”
 
Laroy: “Nachdem wir 1986 den niederländischen Eifutterspezialisten CéDé übernommen haben, erhielten unsere Geschäfte vor allem ab 1989 durch den Vertrieb von Eukanuba und Iams (Premiummarken für Hunde- und Katzenfutter) einen enormen Aufschwung. Danach nahmen die Expansionswellen kein Ende und es folgten die Übernahmen von Deckx (2009, Accessoires), Witte Molen (2013, niederländischer Mischfutterhersteller) und Europet Bernina (2015, luxuriöse Accessoires). Die letzte Erweiterung erfolgte Ende 2016 mit der Gründung von Flamingo Pet Products, zusammen mit Erwin Van Tendeloo.”
 

Kein Elfenbeinturm
 

"STERCK. Welche Folgen hatte das für die Organisation?

Laroy: “Es ist immer wieder ein Prozess, bei dem der menschliche Aspekt sehr viel Aufmerksamkeit erfordert. Wir haben gelernt, dass man einen gewissen Zeitplan für die Integration eines neuen Unternehmens in die eigene Organisation festlegen kann, aber es ist sinnlos, sich darauf zu fixieren. Es erfordert Zeit, aufeinander zuzuwachsen, sich die Wünsche des Personals anzuhören, diese Menschen zu beruhigen und ehrlich zu kommunizieren. Oft wussten die Mitarbeiter jahrelang nicht, wie es mit ihnen weitergehen sollte und wollten vor allem eine Zukunftsperspektive. Sie wissen daher ganz genau, dass ihr neuer Chef nur das Beste für das Unternehmen will.”
 
Moyaert : “Es sind Prozesse, die einen im persönlichen und beruflichen Bereich enorm bereichern. Wir haben kein spezielles Betreuungsteam für Übernahmen. Es kommt vor allem auf den gesunden Menschenverstand an und darauf, dass man anwesend ist, sodass die Mitarbeiter nicht das Gefühl bekommen, dass alle Entscheidungen in einem Elfenbeinturm getroffen werden. Wir sind ein Familienunternehmen, es ist wichtig, dass die Mitarbeiter dies auch spüren. Meistens geht das ziemlich schnell und die neuen Mitarbeiter gliedern sich gut ein. Dennoch ist es harte Arbeit, ein anderes Unternehmen in die eigene Organisation zu integrieren. Man glaubt, perfekt vorbereitet zu sein, aber dennoch tauchen immer Aspekte auf, die man nicht kannte oder anders eingeschätzt hatte.”
 

"STERCK. Welche Entwicklungen stellen Sie beim Verkauf von Produkten für Haustiere fest?”

Laroy: “Die Zeit, in der Menschen einen Hund beispielsweise nur als Wachhund betrachteten, ist vorbei. Haustiere gehören heutzutage zur Familie und erhalten die beste Pflege. Das ist nicht nur in Belgien so, sondern auch in den Nachbarländern. Darauf stellen wir uns sowohl mit unserem Sortiment als auch beim Marketing selbstverständlich ein. Alles dreht sich um das Erlebnis. Halter von Haustieren kaufen ihre Produkte am liebsten in einem Geschäft, in dem sie richtig beraten werden und wo sie das Gefühl haben, dass der Verkäufer ihnen wirklich helfen will. Eben deshalb können kleine selbstständige Tierfachgeschäfte noch einen Unterschied machen, vor allem dann, wenn sie kreativ genug sind, um sich auf bestimmte Tendenzen einzustellen. Zugegeben: Der Markt konsolidiert sich und der Verkauf über Ladenketten nimmt zu, aber mit der richtigen Einstellung und einem guten Sortiment können auch kleinere Geschäfte sicherlich noch überleben.”
 

E-commerce

 

"STERCK. Wie unterstützen Sie sie dabei

Moyaert: “Das tun wir nicht nur mit Marketingartikeln wie Displays, sondern auch strukturell, beispielsweise bei der Planung der Ladeneinrichtung. Selbstverständlich erwarten wir dafür auch eine Gegenleistung, aber wir sind realistisch genug, um einzusehen, dass diese Ladeninhaber auch Produkte anderer Marken anbieten können müssen.”
 

"STERCK. Sie begannen mit einem Basissortiment, inzwischen bieten Sie auch Luxusprodukte an. Warum diese Entscheidung?”

Moyaert: “Durch die enorme Konkurrenz auf unserem Markt stehen die Gewinnspannen extrem unter Druck. Darauf können wir uns unter anderem durch Differenzierung einstellen. Gerade als wir ein eigenes Produktentwicklungsteam zusammenstellen wollten, gelang es uns, Europet-Bernina (EBI) zu übernehmen. Das Unternehmen hatte sich auf luxuriöse „Lifestyle“-Accessoires spezialisiert, für die oft spezielle Materialien verwendet wurden. Durch diese Übernahme wurden wir in ein neues Segment eingeführt und mussten nicht selbst neue Produkte entwickeln. 2009 hatten wir uns mit der Schaffung der Hausmarke Duvo+ bereits stärker auf die Accessoires konzentriert, aber dort stehen vor allem die Mainstream-Produkte im Mittelpunkt.”
 
Laroy: “Auch Witte Molen und CéDé sind eigene Hausmarken. So kann man sich für die Zukunft absichern und man ist weniger von seinen Lieferanten abhängig.”
 

Neue Generation

 

"STERCK. Wie stark ist Ihr Vater noch am Geschäft beteiligt?

Laroy: “Er weiß genau, womit wir uns befassen, und hält sich immer noch gern in den (Produktions-) Unternehmen auf. Vor allem die Getreideabteilung liegt ihm immer noch sehr am Herzen. Wir lernen nach wie vor viel aus seinen Ratschlägen, er zwingt uns aber nie seinen Willen auf. Im Gegenteil: Er stammt aus einer Kultur, in der es zum guten Ton gehörte, ein Unternehmen dominant zu führen, das war typisch für die frühere Art, Geschäfte zu machen. Es hat mich positiv überrascht, dass er sich ziemlich leicht davon distanzieren konnte. Man merkt immer wieder, dass er noch Unternehmerblut hat. Als wir ihn nach seiner Meinung zu bestimmten Übernahmen fragten, war er oft der Erste, der grünes Licht dafür gab.”
 

"STERCK. Die zweite Generation hat noch viele Jahre vor sich, aber steht im Hintergrund schon die neue Generation bereit?"

 
Laroy: “Wir sind tatsächlich noch lange nicht am Ende unserer Laufbahn angelangt (lacht). Mein Bruder hat eine Tochter, die Kriminologin ist, ich selbst habe zwei Töchter, die Handelswissenschaften studieren. Im Prinzip ist dies eine hervorragende Vorbereitung, um einmal die Fackel zu übernehmen und sie haben auch bereits Ferienjobs bei uns gemacht. Es ist aber noch viel zu früh, um zu wissen, ob sie einmal diesen Weg gehen werden. Viel hängt davon ab, wie sie sich entfalten werden. Entwickeln sie sich gut, dann können sie auf jeden Fall hier anfangen, es muss aber hauptsächlich ihre eigene Entscheidung sein.”
 
 
Text: Bart Vancauwenberghe iov Sterck Magazine
Foto's: De Brie Jerry